Entfremdung

Ein zerbrochenes Glas. Andere denken, man müsse vorsichtig mit den Scherben, mein Kopf freut sich über das Werkzeug. Das überrascht mich. Ich hatte seit über einem Jahr kein SV Bedürfnis mehr. Heute war es wieder so weit. Nicht zu viel, gerade genug für den Anfang. Ein paar Schnitte am Arm, ein paar an der Hüfte. Es ist dämlich, dass ich nur ein Set Bettzeug habe, fällt mir dabei auf, und, dass ausgerechnet dieses Set weiß ist. Aber egal. Muss ich halt ein bisschen aufpassen und das Verbandszeug in der Nähe halten.

Es ist ein befreiendes Brennen. Zumindest das klappt also noch. Ich betrachten fasziniert die Blutstropfen, die aus meiner Haut sickern. Das pure Leben. Ein Wunder, dass es noch in mir da ist.

Ich hasse mich für meinen Selbsthass. Das eine nährt das andere nährt das eine. Ein Teufelskreis, in den ich gerade wieder zurück steuere. Wann hat es wieder angefangen schlimm zu werden? Oder ist es nie vorbei gewesen?

Momentan wünsche ich mir so oft, nicht mehr so gefühlstot zu sein. Und gleichzeitig hab ich Angst davor, mich wieder zu spüren.

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Schloss aus Eis

Hüll mich ein
und halt mich fest
in deinem Schein,
dem dunklen Nest.

Ich schließe die Augen,
lass alles los,
fang an zu glauben
und träume bloß.

Gefesselt im Chaos,
Gedanken im Takt,
verschlossen die Riegel im Schloss
wo keiner weiter fragt.

Von außen glitzer,
von innen eiskalt.
Dämonen über der Spitze
halten Wache bis in den Wald.

Ein Palast der leisen Nächte
gebaut allein für mich.
Wenn noch jemand daran dächte,
finden könnte er ihn nicht.

Not sober any more

Tage geprägt vom Drang. Ich will ihm nicht nachgeben, doch dann und wann… Entgleitet mir das Leben,bwie zäher Schleim aus kalten Händen. Ich will nicht die Kontrolle verlieren. Doch das habe ich längst und ich weiß es. Tage geprägt von Fressen und Kotzen. Es beginnt mit einem Keks zu viel oder dem vollen Bauch nach richtigem Essen. Damit sich dann das Kotzen lohnt wird weiter gefressen.
Ich hasse mich dafür. Ich will das nicht mehr. Will gesund sein. Oder zumindest nicht mehr so tief drin.
Mein Magen zum Reißen gespannt. Kann nicht mehr gerade stehen und muss vornüber gebeugt zur Kloschüssel gehen.
Im Inneren bin ich schon lange tot. Alle Gefühle tot gehungert, gefressen und gekotzt. Zurück blieb nur der Selbsthass und die Leere.
I’ve been down this road before, singt Demi Lovato. Ja, my dear, me too. I’m sorry to myself. Auch das stimmt. But I can’t promise I’ll get help, ich bin zu gefangen.
Manchmal wünschte ich, es wäre einfach vorbei. Ich wachte nicht mehr auf und müsste mir keine Sorgen mehr um irgendwas machen. Aber mein Körper ist zäh. Und eigentlich will ich noch nicht sterben. Nur so leben kann ich nicht mehr. Wobei man das auch eher als Vegetieren bezeichnen sollte.

[29.9.2018] Müde

Ich sitze gerade an die Wand im Wohnzimmer angelehnt und bin einfach nur unglaublich kaputt vom heutigen Tag. Wir haben meine Sachen in die neue Wohnung gebracht, den Schreibtisch aufgebaut, dann stand ich alleine im Chaos. Mein Vater und seine Freundin fuhren Blumen einkaufen, ich versuchte, meinem neuen Reich Leben ein zu hauchen. Mit dem Ergebnis bin ich soweit zufrieden – ich glaube, dass ich mich in dem Zimmerchen wohlfühlen werde. Die wichtigsten Dinge habe ich beisammen: eine Matratze, ein Hängeregal, einen alten Schreibtisch, den Zuhause keiner mehr brauchte. Schreibwaren, die ich aus der Schulzeit über hatte, ein bisschen Deko, ein paar Bücher. Der Grundsatz an Klamotten.

Mir fehlt noch das gewisse etwas, aber danach werde ich in den nächsten Tagen im Billigladen um die Ecke suchen. Eine Weltkarte und ein paar Lichter wären noch schön. Mal schauen.

Nach getaner Arbeit bin ich die drei Stunden nach Hause gefahren, ich war so unglaublich müde, dass es an eidem Boden und versuche, wieder etwas runter zu kommen. Die russische Schokolade hat geholfen. Aber ich freuen Wunder grenzt, dass ich keinen Unfall gebaut habe. Seither sitze ich auf dem Boden und versuche, wieder etwas runter zu kommen. Die russische Schokolade hat geholfen. Aber ich werde jetzt so langsam ein wenig optimistischer bezüglich des neuen Lebensabschnitts und des neuen Abenteuers. Jetzt habe ich zumindest einen Raum, auf den ich mich freuen kann.

Mehr kann ich heute nicht schreiben, ich bin unglaublich kaputt und werde nun versuchen, ein wenig Schlaf zu finden.

[27.09.2018] Destruktiv

Die letzten Tage waren geprägt von einer Menge Ratlosigkeit und Verzweiflung. In wenigen Tagen werde ich ausziehen, mich auf den Weg zum Studium begeben, und ich weiß nicht, wie ich es finanziell schaffen soll. Von meinem Elternhaus bekomme ich keine Unterstützung, nicht, weil das Geld fehlt (immerhin bekomme ich auch kein Bafög), sondern wegen mangelnder Motivation dazu. „Du bekommst kein Geld, ich freue mich darauf, wenn du mir nicht mehr zur Last fällst“, hieß es. Argumente meinerseits, dass die Eltern laut Gesetz dazu verpflichtet sind, ihren Kindern den Unterhalt für eine außerschulische Ausbildung bereit zu stellen, wurden ignoriert. „Du bekommst das Kindergeld und das war’s“, war die Antwort darauf.

Ich bin verzweifelt, das gestehe ich ganz ehrlich. Keine Ahnung, wann ich zuletzt so viel geweint habe. Und ich habe Angst, Angst davor, wie es für mich weiter gehen soll. Ja, ich könnte die Finanzierung einklagen, aber wer würde das schon wollen? So kaputt ist das Verhältnis dann doch nicht und wenn ich diesen Schritt ginge, stünde ich ziemlich schnell komplett alleine da. Nein, diese Option gibt es für mich nicht.

Ich habe mich nun für einige Jobs auf 450€ Basis beworben, so wären zumindest Miete und Essen abgedeckt, vom Rest mag ich noch gar nicht anfangen. Aber bisher kamen nur Absagen. Auf Stipendien werde ich mich wohl noch bewerben, aber das geht wahrscheinlich auch erst ab dem Sommersemester. Beim Studentenamt werde ich auch noch Wohngeld beantragen.

Aber die Sorge lähmt mich. Wie soll ich das alles Schaffen, wenn ich nicht Mal die Miete sicher habe? Wie soll ich überleben können? Und wovon?

Meine Gedanken sind alles andere als konstruktiv. „Dann isste halt nix“, sagen sie. „Dann wirste wenigstens nicht fett beim Studium und hörst auf, allen zur Last zu fallen.“

Mein Körper hat nicht übermäßig viele Reserven, auf die er zurück greifen kann und funktioniert durch 10 Jahre Essstörung und Gewicht an der untersten Normalgrenze an seinen eigenen Limits. Bei kompletter Nahrungs- und Flüssigkeitsverweigerung dürfte ich in ein bis zwei Wochen tot sein, wenn ich noch ein wenig trinke, könnte ich vielleicht 3-4 schaffen. Die Lösung scheint so naheliegend zu sein

[22.9.2018] Es läuft nicht gut.

Die letzten Tage liefen nicht gut. ich hatte viele Essenfälle und habe sehr oft erbrochen. Ich wünschte es wäre nicht so gelaufen und fühle mich schlecht dafür, aber ich kann es nicht mehr ändern. Irgendwie lief es nur die ersten beiden Tage gut, wie immer, wenn ich versuche aus der ganzen Scheiße rauszukommen. Ich fühle mich schuldig, schuldig dafür, dass ich es mal wieder nicht geschafft habe. Dass ich mal wieder die Kontrolle verloren habe. Immer und immer wieder. Dafür, dass anscheinend kein Ende in Sicht ist, dass ich das Ende vom Tunnel nicht sehen kann, dass es immer nur weiter ins Dunkle geht, immer tiefer und tiefer hinein.
Auch meine Gedanken sind schlimmer geworden. Sie kreisen immer mehr darum, wie schlecht ich doch bin und weniger darum, was ich schaffen könnte. In meinem Kopf existiert nur noch Schlechtes. Selbsthass, Selbstzweifel, der Gedanke dass ich nicht gut genug sein kann und es nie sein werde. Es gibt Momente, in denen wünsche ich mir, ich wäre einfach tot. Ich würde mich nicht umbringen, so ist das nicht aber… naja, ich hätte auch nichts dagegen zu sterben. Suizid war für mich schon immer die feigeste Lösung von allen. Ich würde mich nicht absichtlich umbringen, nein, aber der Gedanke zu sterben macht mir nichts aus. Vor dem Tod habe ich keine Angst. Er ist das einzige, was gewiss ist. Nichts im Leben ist sicher außer dem Tod, warum also sollte man sich vorm zu fürchten? Er kommt so oder so, die Frage ist nur wann – und wenn man weiß, dass er irgendwann da sein wird, warum sollte man sich dann davor fürchten?

Manchmal glaube ich zu wissen woran das alles liegt, woher der Hass, die Essanfälle, die Hoffnungslosigkeit kommen. Es sind Kleinigkeiten, ein Kommentar meines Vaters hier, eine Nachricht dort, ein eigener Gedanke, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und schon laufe ich über. Beziehungsweise erst laufe ich ein, schlinge alles in mich hinein, was irgendwie geht. Ohne Halt, ohne Ende. Mein Magen verwandelt sich auf einmal in ein Schwarzes Loch. Er scheint dann nicht mehr sättigbar zu sein zu. Er kennt keine Grenzen mehr, kennt nur noch Leere, die es zu füllen gilt. Und diese versuche ich zu tilgen, zu stopfen mit Essen, immer und immer mehr, immer und immer schneller, ohne wirklich zu merken was ich da in mich hinein schaufle. Ohne dass es mich kümmert. Hauptsache es ist schnell wieder rauskotzbar. Es darf nicht zu dick sein, nicht zu fest, aber auch nicht zu flüssig. Es muss schon füllen, muss stopfen, es muss weh tun bevor ich aufhören kann. Erst dann habe ich das Gefühl, dass ich genug hatte. Dass es jetzt an der Zeit sei, alles wieder rauszuholen. Gleichzeitig liegt schon die Waage neben dem Klo. Schließlich muss ich ja kontrollieren, wie viel wieder draußen ist. Kontrollieren, dass auch ja nicht zu viel drin blieb, dass ich nicht zu schwer geworden bin. Stelle mich einmal drauf, zweimal, dreimal. Nach dem vierten Mal beginne ich zu weinen. Ich weiß, dass ich in der Scheiße stecke. Mit beiden Beinen, bis zum Knie. Eigentlich sogar schon bis zur Hüfte, nein, sogar dem Kopf. Trotzdem, es scheint mir irgendwie egal zu sein. Ich schaffe es einfach nicht da raus. Dabei würde ich doch so gerne, ich würde so gerne wieder am Leben teilnehmen und nicht nur auf der Wechselbank sitzen. Nicht nur zuschauen und mir wünschen ich wäre dabei, ich wäre ein Teil vom Leben. Ich spiele mit, aber dazu gehören? nein das tue ich schon lange nicht mehr.
Dabei fängt es doch immer gleich an, die Essanfälle meine ich. Ich esse, achte nicht genau darauf was ich esse, esse nicht achtsam. Und danach? Danach esse ich weiter. Nein ich nenne es naschen. Hier noch ein paar Nüsschen, dort noch ein Stückchen Schokolade. Noch ein zweites, ein drittes, die ganze Tafel. Danach halt es nicht mehr aus. Selbsthass. Verachtung. Wie konnte ich eine schon wieder weiter essen? Ich war doch satt, hatte doch genug gegessen. Und trotzdem esse ich weiter. Mein Magen ist dieses schwarze leere Loch, das nur noch aufsaugen kann und aufsaugen und aufsaugen, bis es zu voll ist und überläuft. Und dann erbreche ich. Immer wieder und wieder und wieder. Mein Kiefer tut schon lange dauerhaft weh. Ich hasse mich dafür, denn ich weiß ich habe es schon wieder getan. Ich weiß wo es angefangen hat, zumindest der essanfall ich bin so wütend. So unglaublich enttäuscht. Verhasst. Geh zurück in die Küche und esse weiter,um dieses Gefühl zu betäuben. Und kotze wieder. Dann ist mein Magen leer. Mein Körper kraftlos. Ich fühle mich schlecht. Aber das ist egal. Ich bin ja schließlich nichts wert. Wertlos und eine Last bin ich. Es wäre besser, wenn ich einfach ersticken würde, schießt es mir manchmal durch den Kopf. Oder wenn wir der Magen platzte. Hauptsache es nähme ein Ende. Das wie ist mir dann egal. Ich würde mich ja nicht wirklich umbringen, ich würde bloß bei der Sache sterben, die ich mir eh täglich antue. Es wäre also kein Suizid, nur eine Nebenwirkung.

[19.9.2018] Kampf

Es wäre utopisch gewesen, davon auszugehen, dass ich nie mehr kotzen würde. Ich wachte schon mit einem seltsamen Gefühl auf. Innerlich angespannt und irgendwie fahrig. Es wurde nicht besser nach dem Frühstück, aufs Basteln und Lesen könnte ich mich beim besten Willen nicht konzentrieren. Ich versuchte, mich ein wenig am Handy abzulenken, das halt zumindest kurz. Aber irgendwann bekam ich Hunger und koche mir ein Kartoffelgericht zum Mittag. Es schmeckte gut, aber ich war nicht komplett satt nach der Portion. Und so begann mein Kopf zu spinnen.

Ich naschte ein wenig mehr vom Essen und kann an dem Punkt, an dem sämtliche körperlichen Bedürfnisse befriedigt waren. Aber mein Kopf wollte mehr. Ich aß noch etwas, dann hielt ich es nicht mehr aus. Schnell ein Glas Wasser runter gekippt und dann ins Bad. Ich kotzte nicht viel aus, nur die letzten Bissen.

Zurück in der Küche wollte mein Kopf unbedingt weiter fressen, weiter kotzen. Redete mir ein, das es ja eh schon zu viel war, es jetzt egal sei. Aber ich zwang mich aufs Sofa. Mein Kopf springt im Zehneck. Sagt mir, ich sei vergessen und fett. Wertlos. Fressen und Kotzen würde mir helfen. Ich versuchte ihn auszuschalten. Schlürfe Kräutertee. Will nicht auf ihn hören. Nicht weiter essen, das endet nicht gut. Nicht. Nein. Nein. Nein.